Warum der tschechische Tolar zum Dollar wurde

von Ursula Kampmann

21. Februar 2019 – Taler werden seit vielen Jahrhunderten mit Begeisterung gesammelt. Sie zu sammeln, gilt wegen ihrer Größe, ihres repräsentativen Aussehens und natürlich auch wegen ihres Preises als die Königsdisziplin der Numismatik. Nicht umsonst ist die teuerste jemals verkaufte Münze mit über 10 Mio. US$ der erste amerikanische Silberdollar. Es gibt wegen des großen Interesses zahlreiche Ausstellungskataloge, die sich mit der Geschichte des Talers befassen. Doch die bilden meist die einzelnen Stücke lediglich ab, erzählen, wo und wann sie entstanden sind – und das ist es dann. Eine echte geldgeschichtliche Studie, warum sich ausgerechnet der Taler weltweit durchsetzte, existierte bisher nicht. Jetzt tut sie es: Petr Vorel, Wirtschaftshistoriker und Prorektor der Universität des tschechischen Pardubice, hat eine umfassende Studie verfasst, in der er die Karriere des Talers vom ersten Guldiner aus Hall bis zu den auf dem Dollar basierenden Währungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts nachzeichnet.

Petr Vorel, From the Silver Czech Tolar to a Worldwide Dollar. The Birth of the Dollar and its Journey of Monetary Circulation in Europe and the World from the 16th to the 20th Century. Columbia University Press 2013. 198 S. und 80 Tafeln in Farbe und Schwarz-Weiß. Hardcover. 16,3 x 23,5 cm. ISBN: 978-0-88033-705-2. 43 GBP.

Petr Vorel, From the Silver Czech Tolar to a Worldwide Dollar. The Birth of the Dollar and its Journey of Monetary Circulation in Europe and the World from the 16th to the 20th Century. Columbia University Press 2013. 198 S. und 80 Tafeln in Farbe und Schwarz-Weiß. Hardcover. 16,3 x 23,5 cm. ISBN: 978-0-88033-705-2. 43 GBP.

Für all diejenigen, die den Taler vor allem als Währung des deutschen Reichs begreifen, ist die leicht in den Osten verrückte Sicht der Dinge erst einmal ungewohnt. Das beginnt damit, dass Sankt Joachimsthal korrekt unter seiner tschechischen Bezeichnung Jáchymov erscheint.
Wer weiterliest, lernt, und das dürfte den wenigstens Sammlern so bewusst gewesen sein, dass die Joachimstaler Produkte weniger Zahlungsmittel, sondern eine Handelsware waren, in der das Silber aus dem böhmischen Teil des Erzgebirges in andere Länder exportiert wurde. Um genau zu verstehen, wer verantwortlich war für die Prägung der Joachimstaler Guldiner, rollt der Autor die gesamte Geschichte Böhmens auf. Natürlich konzentriert er sich auch auf das Schicksal der Grafen von Schlik (Slikové). Und er verfolgt die Veränderungen, die der Übergang der Herrschaft über Böhmen von Ludwig II. aus dem Geschlecht der Jagiellonen auf Ferdinand von Habsburg hatte. Die Frage, in wie weit die Kontrolle des böhmischen Silbers, Einfluss ausübte auf die Machtposition seines Besitzers, schwingt dabei natürlich ständig mit.

Und so verfolgen wir das Schicksal des Talers weiter durch die verschiedenen Diskussionen über eine reichseinheitliche Großsilbermünze während der von Karl V. einberufenen Reichstage. Wir beobachten, wie die spanischen Acht-Reales-Stücke, die Philipp II. zur Finanzierung seiner Religionskriege prägen ließ, im Deutschen Reich als Philippstaler kursierten, und wie alle europäischen Mächte eine große Silbermünze kreierten, deren Gewicht und Feingehalt nationalen Vorlieben Rechnung trug bzw. in Konventionen aufeinander abgestimmt wurde.

Das nächste Kapitel konzentriert sich auf den Handel mit Silber aus der Neuen Welt und den Einfluss, den das auf den Aufstieg des Talers zur Weltwährung hatte. Und hier spannt der Autor den Bogen wirklich weltweit bis heute, genauer gesagt bis nach Bermuda, die Karibik, Australien, Fiji und last but not least zur slowenischen Tolar-Währung, die nach der Erklärung der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1991 eingeführt wurde.

Petr Vorel erzählt mit seinem Buch die Geschichte des Talers-Dollars stringent, spannend und nicht so deutsch-zentriert, wie wir es gewohnt sind. Er macht dem Titel des Buches alle Ehre und legt seinen Schwerpunkt auf die Entwicklungen in Jáchymov / Joachimsthal. So bringen besonders diese Kapitel über den böhmischen Anteil an der Entwicklung viel Neues, Spannendes und nicht Selbstverständliches.

Es ist eine Bereicherung, „From the Silver Czech Tolar to a Worldwide Dollar“ zu lesen, vor allem weil man danach verstanden hat, dass es „Taler“ und „Taler“ gab, „Taler“, die zwar hübsch anzusehen und selten sind, in Auktionen viel kosten, aber eigentlich keine Rolle für die Entwicklung der Währung spielten, und einige wenige (vor allem böhmische und spanische) Talertypen, die die historischen Weichen auf eine Weltwährung hin stellten.

Bei Amazon USA ist derzeit eine Restauflage des Buches zum günstigen, reduzierten Preis von 11,95 $ (für Europäer + 24,95 $ Porto und Verpackung) zu haben. Ehrlich gesagt, ich würde dieses Buch auch für einen höheren Preis kaufen. Es ist unbedingt lesenswert!

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