Starker Regen legt wichtige Münzstätte des antiken China frei

von Hongxia Zhang und Sven Günther

21. Februar 2019 – Bisweilen werden wichtige Entdeckungen durch ganz natürliche Ursachen und am richtigen Ort gemacht. Im Oktober 2017 wuschen heftige Regenfälle eine antike Münzmanufaktur in Nanyang, in der chinesischen Provinz Henan frei. Dabei stürzte der Hof des Museum of Magistrate Yamen teilweise ein.

Die Ausgrabungsstätte. Von: China.com.cn (23.01.2019).

Die Ausgrabungsstätte. Von: China.com.cn (23.01.2019).

Wichtige Daten zur Münzproduktion in den Qin-Han-Dynastien

„In den Löchern fanden wir vor allem Gussformen für Kupfermünzen und zwei weitere Arten von Gussformen für Münzen der Typen ,Da Quan Wu Shi‘ (,Big Fifty‘) und ,Xiao Quan Zhi Yi‘ (,Smaller One‘)“, erklärte Bai Yunxiang, Forscher an der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften, gegenüber News.youths.cn.
Außerdem liefere diese bedeutsame Entdeckung wichtige Daten für die Erforschung der münzproduzierenden Industrie unter den Dynastien Qin-Han sowie der Sozial- und Wirtschaftspolitik in der daran anschließenden Wang-Mang-Periode, wie der Wissenschaftler weiter ausführte.

Wang Mang – und seine Geldreformen

Wang Mang war ein einflussreicher eingeheirateter Verwandter der Westlichen Han-Dynastie. Nach dem frühen Tod des letzten Han-Kaisers, Shuai Di, errichtete Wang Mang im Dezember 8 n. Chr. seine eigene Dynastie, die sogenannte Xin(„Neue“)-Dynastie (8-23 n. Chr., oft auch als Wang-Mang-Dynastie bezeichnet). Dabei setzte er sich an die Stelle der Han und nahm den Herrschertitel „Shi Jian Guo“ an, was so viel bedeutete wie „Der Beginn des geordneten Staats“. In seiner Regierungszeit führte er unter anderem eine Münzreform durch, die wohlbekannt ist – und berüchtigt. Er etablierte ein komplexes Währungssystem und gab verschiedene Serien aus, eine davon mit den beiden Arten von Kupfermünzen, von denen einige jetzt gefunden wurden. Wenig später führte er weitere sechs Arten von Kupfermünzen ein. Die in Beziehung stehenden Nominale reichten vom kleinsten zum größten wie folgt: „Xiao Quan Zhi Yi“ („Smaller One“), „Me Quan Yi Shi“ („Small Ten“), „You Quan Er Shi“ („Young Twenty“), „Zhong Quan San Shi“ („Middle Thirty“), „Zhuang Quan Si Shi“ („Strong Fourty“), „Da Quan Wu Shi“ („Big Fifty“). Allerdings waren die Verhältnisse der Nominale insbesondere zu Münzserien aus anderen Metallen und Materialien sehr kompliziert. Dies führte zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten, weil die Menschen das Vertrauen in das Geld verloren. Daher behielt Wang Mang nur die Produktion zweier Nominale bei, der sogenannten „Smaller One“ und der „Big Fifty“. Daneben blühte allerdings eine Wirtschaft im Untergrund mit älteren Münzen der Han-Dynastie.

Einige der ausgegrabenen Münzen. Foto von SIMA Lianzhu. Von: China.com.cn (23.01.2019).

Einige der ausgegrabenen Münzen. Foto von SIMA Lianzhu. Von: China.com.cn (23.01.2019).

„Da Quan Wu Shi“ („Big Fifty“) hat eine einfache Form; mittlerweile kennen wir davon allerdings verschiedene Versionen mit unterschiedlichen Darstellungen, glückbringenden Wörtern, oder Tierfiguren darauf. „Xiao Quan Zhi Yi“ („Smaller One“) hingegen war die am häufigsten gebräuchliche Münze während der Xin-Dynastie. In den Gussformen, die bei der Ausgrabung gefunden wurden, goss man jeweils dieses größte und das kleinste Nominal, die vermutlich auf die ursprüngliche Einführung dieser beiden Art von Kupfermünzen im Jahr 9 n. Chr. zurückgehen.

Inschriften erlauben Datierung

Die Datierung scheint festzustehen, da zwei der gefundenen Gussformen für Tonmünzen Inschriften tragen: „Shi Jian Guo Yuan Nian San Yue“, das bedeutet „März des ersten Jahres des geordneten Staates“ und „Hou Zhong Guan Gong Bao Zao Shi Yi“, das man übersetzen kann mit „Die Gussform Nummer 11 wurde von einem Handwerker namens Bao in der Zentralmünzstätte gemacht.“.
Ein Forscher der Chinesischen Numismatischen Gesellschaft, Yang Jun, erklärte News.youths.cn, dass die erste Inschrift das Jahr 9 n. Chr. bezeichnet. Die zweite Inschrift belegt die historische Angabe, Wang Mang habe fünfzig Magistrate aus der Hauptstadt Chang’an (dem heutigen Xi’an) in die Provinzen geschickt, damit sie dort die Münzproduktion überwachen mögen.
Der Kurator des Museum of Magistrate Yamen, Liu Shaoming, sagte gegenüber Nan Yang Daily, dass der Titel „Zhong Guan“ der Münzstätte bereits unter der Westlichen Han-Dynastie (202 v. Chr. bis 8 n. Chr.) existierte. Unter der Wang-Mang-Dynastie wurde die Münzstätte aufgeteilt in die Ältere (Qian) und die Jüngere (Hou) Zhong Guan. Liu Shaoming erläuterte außerdem, dass Wang Mang sicher Unmengen von Arbeitern benötigte, um die umfangreichere Produktion im Rahmen seiner Münzreform umzusetzen. Im „Shiji“, den „Aufzeichnungen des Großen Historikers“ von Sima Qian, heißt es, dass schon unter der Westlichen Han-Dynastie 100.000 Menschen für die zentrale Münzstätte („Zhong Guan“) arbeiteten. Es ist daher sehr gut denkbar, dass „Hou Zhong Guan“, also die „Jüngere zentrale Münzstätte“, eingerichtet wurde, um die Herausforderungen der verstärkten Produktion zu koordinieren, die Wang Mangs Reform mit sich brachte.

Neben diesen wichtigen Funden wurden weitere Objekte entdeckt, wie z.B. Kupfermünzen, Schlackereste aus der Kupferherstellung, Teile von Kutschen, Tiegelreste, Tonscherben, Tierknochen und verschiedene Sorten Asche in Öfen, auf denen eine 3 cm dicke Sinterschicht lag, die möglicherweise durch Trockenmodel zu erklären sind.

Erstes Treffen von Fachleuten

Am 16. Januar 2019 organisierte das The Relics and Archaeology Institute of Henan Province and Nanyang City’s Culture and Heritage Bureau ein Treffen mit Experten. Die Fachleute von der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften der Universität Peking, von der Chinesischen Numismatischen Gesellschaft und anderen Forschungseinrichtungen in Nanyang diskutierten dabei die jüngsten Funde. Die bislang ergrabenen 75 Quadratmeter sind offensichtlich nur ein kleiner Teil des Gesamtareals; die Fachleute empfahlen daher den verantwortlichen Archäologen, eine systematische Grabung durchzuführen, bei der das zu untersuchende Areal ausgedehnt werden soll. Dabei sollten auch interdisziplinäre Methoden eingesetzt werden. Auf diese Weise, so die Hoffnung, ließe sich mehr erfahren über den Umfang, die genaue Ausgestaltung und die Arbeitsweisen während der Münzproduktion an diesem Ort. Außerdem regten die Teilnehmer an, ein eigenes Museum für die Funde einzurichten. Es bleibt zu hoffen, dass wir weitere Einzelheiten – nicht nur numismatische – aus dieser spannenden Epoche lernen werden.

Beide Autoren lehren am Institute for the History of Ancient Civilizations, Northeast Normal University, Changchun, Jilin Province, China. Sie können ihnen an ihre E-Mail-Adressen schreiben:
Hongxia Zhang und Sven Günther

Belege


Hier erfahren Sie mehr über das Institute for the History of Ancient Civilizations in Changchun.

Und wenn Sie einen direkten Einblick in das Alltagsleben am Institut bekommen, schauen Sie Sven Günther und seinen Studenten in diesem Video einmal bei ihrem Universitätsleben zu.

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