Neuausrichtung der World Money Fair – Ein Interview mit Gitta Künker

31. Januar 2019 – Seit dem 1. Juli 2018 ist Gitta Künker die neue Geschäftsführerin der World Money Fair Holding. Neben der Digitalisierung dieser für die Branche so wichtigen Münzenmesse ist ihr besonderes Anliegen als neutraler Dreh- und Angelpunkt der Industrie den Sammler wieder mehr in den Mittelpunkt zu stellen.
Wir haben sie zu ihrer Strategie und ihren mittelfristigen Zielen befragt. Auch wenn die World Money Fair heute Marktführer ist, sieht Frau Künker eine Reihe von Möglichkeiten, diese Position weiter auszubauen.

MW: Wären Sie so freundlich, unseren Lesern kurz zu schildern, welche berufliche Expertise Sie mitbringen und in wie weit Sie der Überzeugung sind, diese zum Vorteil für die World Money Fair einsetzen zu können?

Gitta Künker ist seit dem 1. Juli 2018 neue Geschäftsführerin der World Money Fair Holding.

Gitta Künker ist seit dem 1. Juli 2018 neue Geschäftsführerin der World Money Fair Holding.

GK: Sehr gerne! Eine wichtige Frage, die mir als Newcomer in der doch eher traditionellen Münzbranche in der letzten Zeit häufig gestellt wurde.

Die meisten in der Münzindustrie verbinden mit dem Namen Künker zu Recht das Auktionshaus Künker, das von meinem Vater 1971 gegründet wurde. Da ich kurz nach der Firmengründung das Licht der Welt erblickte (und jetzt habe ich Ihnen mein Alter verraten), ist mir eine gewisse Affinität zur Industrie quasi in die Wiege gelegt worden. Mein Vater hat diese gekonnt durch Münzgeschenke ausgebaut, und während meiner Ausbildung habe ich gerne bei Künker gearbeitet.

Nach dem Studium der Ökonomie hat es mich jedoch in die Welt der Großkonzerne gezogen, zunächst als Beraterin und dann als Angestellte der zwei Schweizer Großbanken. Es war mir wichtig, neben dem theoretischen Wissen das richtige Werkzeug zur Entwicklung und Umsetzung von Transformationsprozessen in Unternehmen zu erlernen.

Später als interne Mitarbeiterin und Leiterin von globalen Veränderungsprozessen und mit meinem Standortwechsel nach Asien, rückten eher die sogenannten Soft Skills in den Vordergrund. Interkulturelles Verständnis und eine konsequente Orientierung am Kunden, intern wie extern, sind Voraussetzungen, um gemeinsam im Team Veränderungen herbeizuführen. Das wurde mir schnell klar.

Heute spreche ich nicht nur gerne davon, Experte für Veränderung zu sein, sondern von meiner Passion für Veränderung. Unternehmen neu auszurichten und auf ihrem Weg zur Neupositionierung zu begleiten macht mir einfach sehr viel Spaß. Es bedeutet, das Richtige für Kunden, Mitarbeiter und Shareholder zu tun.

Und im Spezialfall der World Money Fair bedeutet es, auch das Richtige für alle Marktteilnehmer zu tun. Geht es der Münzindustrie gut, dann geht es uns auch gut! Dafür setze ich mich gerne mit Energie und meiner Expertise ein.

MW: Die World Money Fair gehört mit 15.000 Besuchern rund 330 Ausstellern auf 13.000 Quadratmetern zu den größten und erfolgreichsten Münzbörsen weltweit. In wie weit, denken Sie, kann die Veranstaltung noch besser werden?

GK: Wir leben in einer Zeit des ständigen Wandels. Was heute sehr erfolgreich ist, ist morgen bereits überholt. Insbesondere als Marktführer ist es deshalb wichtig, schon heute zu antizipieren, was unsere Kunden morgen wollen. Eine Aufgabe, die nicht nur einen engen Dialog mit unseren Kunden erfordert, sondern auch ein Gespür für relevante Trends aus anderen Branchen. Wir kaufen heute online ein und wickeln z.B. unsere Bankgeschäfte dank Digitalisierung effizient, zeitlich und räumlich flexibilisiert ab. Wir haben gelernt, wie bequem dies ist und erwarten ähnliche Lösungen für alle Industrien. Hier kann die World Money Fair aufholen!

MW: Haben Sie schon konkrete Änderungspläne für die World Money Fair 2019?

GK: 2019 möchten wir insbesondere Zusatzleistungen für unsere Sammler anbieten. Wir stellen sozusagen den Endkunden in den Mittelpunkt. Wir werden Podiumsdiskussionen und Workshops veranstalten, um insbesondere den Sammlern relevantes Wissen zu neuen Regularien und numismatischen Techniken zu vermitteln. Im Mittelpunkt stehen das Thema Kulturgutschutzgesetz und das sogenannte „Grading“ (Beschreibung, Erhaltung und Prüfung der Echtheit von Münzen). Natürlich sind diese Themen auch für die Händler und Prägestätten von Interesse.

MW: Wie wird die World Money Fair 2020 aussehen?

GK: 2020 dürfen Sie sich auf einige Neuerungen freuen. Wir werden digitaler, frischer und orientieren uns weiter an den Bedürfnissen unserer Sammler. Wir werden zu einer Brücke zwischen den internationalen Münzstätten und dem Endkunden. Zu viel will ich noch nicht verraten, aber Sie können sich auf innovative Anregungen zum Thema Sekundärmarkt sowie eine erfrischende Gala-Veranstaltung freuen. Ich sage nur, die Oscars kommen!

Zusätzlich zu unserem veränderten Messeauftritt arbeiten wir daran, auch während des Jahres im engeren Kontakt mit der Münzindustrie zu stehen. Als unabhängiges Unternehmen mit Zugang zu allen Teilnehmern der gesamten Wertschöpfungskette sind wir prädestiniert dafür, neue Trends zu setzen und so alle Marktteilnehmer zu unterstützen. Wir gehen damit zurück an unseren Ursprung.

Unser Gründer und Ehrenpräsident Albert M. Beck lebte Innovation. Die Idee, Information für ein breites Publikum mittels Publikumsmesse und Fachzeitschrift zu verbinden, mit einem Marktplatz für Münzstätten, Münzgroßhändler und der Münzstätten-Zuliefererindustrie ist bis heute zwar viel kopiert, aber nie erreicht worden. Die World Money Fair war seit ihrer Gründung Ideengeber für die Münzindustrie. Wir treten diesbezüglich in große Fußstapfen und freuen uns darüber, dass wir mit der Unterstützung des Gründers und Ehrenpräsidenten weiterhin rechnen können.

MW: Wir danken für das Gespräch.

Das Interview führte Ursula Kampmann für das Mint News Quarterly, wo das Gespräch ursprünglich veröffentlicht wurde.

Gitta Künker hat natürlich auch ein Xing-Profil.

Und sie finden Gitta Künker auch in unserem Numismatischen Who's who.

Hier kommen Sie zur Website der World Money Fair.

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