The War against Cash

von Ursula Kampmann

5. April 2018 – Es ist ja so modern: Man steht an der Kasse, schwingt die Kreditkarte und schon ist die Rechnung bezahlt. Keine Münzen, die im Hosensack klimpern. Kein lästiges Kramen nach Kleingeld. Dem modernen Mensch ist das Handy und die Kreditkarte Zahlungsmittel genug.

Ross Clark, The war against cash. The plot to empty your wallet and own your financial future – and why you must fight it. Harriman House, Petersfield 2017. 14 x 21,6 cm. 177 S. Paperback. ISBN: 978-0-85719-625-5. 12,99 GBP.

Ross Clark, The war against cash. The plot to empty your wallet and own your financial future – and why you must fight it. Harriman House, Petersfield 2017. 14 x 21,6 cm. 177 S. Paperback. ISBN: 978-0-85719-625-5. 12,99 GBP.

Dass das einen ganzen Rattenschwanz an Folgen mit sich zieht, ist nur den wenigsten bewusst. Denn Bargeld hat keine Lobby. Die Medien werden beherrscht von denjenigen, die sich ein phantastisches Geschäft mit den finanziellen Transaktionen ganzer Nationen erwarten. Wie bizarr der Kampf gegen das Bargeld geworden ist, schildert Ross Clark, ein in Großbritannien extrem erfolgreicher Journalist, der schon in verschiedenen Büchern moderne Mythen ad absurdum geführt hat. Sein Bestseller „How to Label a Goat“ entlarvt mit klaren Worten die zum Teil ziemlich unsinnigen gesetzlichen Vorschriften Großbritanniens. Bekannt wurde er auch durch „The Great Before“, eine Satire über die Anti-Globalisierungsbewegung. Clarks Bücher sind amüsant zu lesen, schwimmen gegen den Strom und sagen einem Dinge, die man so eben genau nicht in den Medien liest.

Clarks neuestes Buch beginnt mit einer Situation, wie sie so oder so ähnlich wohl schon jeder erlebt hat: Clark versucht, sein Auto zu parken, was er mittlerweile nur noch über ein (in Großbritannien sicher wahnsinnig verbreitetes) Programm namens RingGo bezahlen kann. Nach einer Viertelstunde stellt er fest, dass er über eine ungesicherte Internetverbindung intime Bankdetails hochladen soll, was ihm nur noch die Möglichkeit lässt, sich einen anderen Parkplatz zu suchen.

Und hier setzt der Autor an: Warum, zum Teufel, kommt irgendjemand auf die Idee, das sei praktisch? Wer sind die Opfer des Rückgangs von Bargeld? Wer sind die Gewinner? Und wer sind die treibenden Kräfte hinter der Bewegung? Sind ihre Argumente wirklich so schlagend? Wie steht es um die Sicherheit des gepriesenen bargeldlosen Zahlungsverkehrs? Und wer will das überhaupt?

Wer das Buch liest, gesteht sich ein, dass der Autor recht hat. Mit jeder Zeile. Und dass er gleich gegen zwei Himmelsmächte kämpft, nämlich gegen die menschliche Gier und die menschliche Faulheit. Gegen die Gier, weil mit dem digitalen Portemonnaie eine Menge Geld zu machen ist. Gegen die Faulheit, weil es für diejenigen, die die Macht im Wirtschaftssystem ausüben, wesentlich einfacher und kostensparender ist, digitale Einkünfte zu verwalten als reale.

Fragwürdig wird die Sache aber dann, wenn eigentlich kommunale Anbieter, die dem Gemeinwohl verpflichtet sein sollten, ihre Kunden durch ein Monopol dazu zwingen, ihren bargeldlosen Weg zu gehen.

Und wenn Sie glauben, Barzahlung sei noch überall gewährleistet, dann versuchen Sie einmal – gegen Bargeld oder Kreditkarte – in einem Londoner Bus spontan ein Ticket zu lösen. Und wenn Sie behaupten, da sei die englischsprachige Welt der deutschsprachigen einfach weit voraus, dann zähle ich Ihnen auf, an welchen Haltestellen des Zürcher Trams Sie Ihre Fahrkarte nur noch mit Kreditkarte kaufen können.

Freiheit bedeutet in einer demokratischen Gesellschaft eigentlich auch die Freiheit der Wahl der Zahlungsmittel. Schade, dass Barzahlung noch kein Auswahlkriterium ist, nach dem man bei Google oder Google Maps suchen kann.

Aber das ist der jüngeren Generation wahrscheinlich auch nicht so wichtig: Wer braucht schon Freiheit, solange er konsumieren kann?

Ross Clarks Buch ist bei Harriman House erschienen.

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