Ian Stewart, Baron Stewartby (1935-2018)

von Ursula Kampmann

15. März 2018 – Bernard Harold Ian Halley Stewart verstarb am 3. März 2018. Er gilt als einer der profundesten Kenner der britischen Numismatik. Wir trauern um einen bedeutenden Sammler und Wissenschaftler, der darüber hinaus die (Geld-)Politik seines Landes prägte.

Bernard Harold Ian Halley Stewart (1935-2018).

Bernard Harold Ian Halley Stewart (1935-2018).

Auf seinem letzten Buch nennt er sich schlicht Lord Stewartby, der Wissenschaftler, Sammler und Politiker Bernard Harold Ian Halley Stewart, Baron Stewartby, der am 10. August 1935 geboren wurde. Münzen liebte er bereits seit Kindertagen. Sein erstes Sammelobjekt hatte er irgendwann Anfang der 40er Jahre bei einem Krämer gefunden. Es handelte sich um eine Kupfermünze aus der Zeit der gemeinsamen Herrschaft von William III. und Königin Mary II., also aus der Zeit zwischen 1689 und 1694. Der Fund war die Initialzündung. Von da an widmete er einen breiten Teil seiner Freizeit der Numismatik. So publizierter Stewart bereits im Alter von 20 Jahren mit „The Scottish Coinage“ ein wichtiges Standardwerk, das von Spink herausgegeben wurde. Außerdem war er regelmäßig im Numismatic Chronicle mit wissenschaftlichen Artikeln vertreten. Mit 30 Jahren übernahm er das Amt des Präsidenten der British Numismatic Society.

Als „The Scottish Coinage“ erschien, machte Stewart gerade eine Ausbildung zum Reserveoffizier der Royal Navy, die er als Lieutenant Commander abschloss. 1971 wurde er Direktor der Privatbank Brown, Shipley & Co. Gleichzeitig machte er in der Politik Karriere. 1974 wurde er für die Conservative Party ins Unterhaus gewählt, wo er sich in seinem Spezialgebiet einbrachte, in der Wirtschaftspolitik.

Mit dem Amtsantritt von Margaret Thatcher wurde er in die Regierung berufen. Er übte in den Jahren zwischen 1983 und 1990 verschiedene hohe Regierungsämter aus, die zumeist im Zusammenhang mit wirtschaftlichen Fragen standen. Er amtete im Schatzamt, im Verteidigungsministerium und war Staatsminister beim Nordirlandminister. Unter anderem unterstand die Royal Mint und die britische Prägepolitik zeitweise seiner Verantwortung. Nach der Machtübernahme durch John Major gehörte Stewart nicht mehr der Regierung an und verlagerte deshalb den Schwerpunkt seiner Tätigkeit in die Privatwirtschaft, wo er sich als erfahrener Finanzspezialist einen Namen machte.

1992 wurde Ian Stewart zum Knight des Order of Saint John ernannt, womit der Titel „Sir“ verbunden ist. Zusätzlich wurde er am 20. Juli 1992, nach seinem Ausscheiden aus dem Unterhaus, mit dem Titel Baron Stewartby of Portmoak in the District of Perth and Kinross in den Adelsstand erhoben und ins House of Lords aufgenommen, eine politische Verantwortung, die er bis 2015 wahrnahm.

Die Numismatik lag Lord Stewartby ein Leben lang am Herzen. So war er Vorsitzender des Komitees der British Academy für die Sylloge of the Coins of the British Isles. Sein Engagement ehrte das Fitzwilliam Museum mit dem Amt eines Honorary Keeper of Medieval Coins. Darüber hinaus erhielt er die Ehrenmedaillen der Royal Numismatic Society und der British Numismatic Society.

Lord Stewartby war nicht nur ein Gelehrter, sondern auch ein engagierter Münzsammler. 2017 durfte sich das Hunter Museum in Glasgow über eine Schenkung von ca. 6.000 schottischen Münzen freuen. Und dies ist nur ein Teil der Sammlung! Im Juni 2007 hatten Diebe rund 1.000 Münzen seiner Sammlung entwendet, ein Fall der sogar die britische Version von „Aktenzeichen XY“ beschäftigte. Doch trotz einer Belohnung in Höhe von 50.000 Pfund wurden die Münzen bis heute nicht aufgefunden. Seine englischen Münzen wurden 2016 von Spink in fünf Auktionen versteigert.

Wir verlieren mit Lord Stewartby einen echten Münzbegeisterten. Er hinterlässt seine Gattin und drei Kinder. Wir trauern mit ihnen um einen Mann, für den die Numismatik zu den Freuden des Lebens gehörte.

Zur numismatischen Seite von Lord Stewartby lesen Sie diesen Nachruf.

Seine politische Karriere wird in der deutschen Ausführung von Wikipedia wesentlich umfangreicher geschildert als in der englischen.

Über seine Schenkung an das Münzkabinett der Universität von Glasgow lesen Sie im Hunterian.

Über den Diebstahl seiner Münzsammlung lesen Sie natürlich in der MünzenWoche.

Und selbstverständlich haben wir seine bedeutende Monographie zur englischen Numismatik des Hoch- und Spätmittelalters vorgestellt.

Spink hat bei Youtube mehrere Filme über die Sammlung Stewartby von englischen Münzen eingestellt:
1.) Angelsachsen und Normannen
2.) Henry II. bis Edward II.
3.) Goldmünzen.
4.) Edward III. bis Richard III.
5.) Tudor und Stuart

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