Etrusker – Antike Hochkultur im Schatten Roms

28. September 2017 – Sie gelten als eines der innovativsten Völker der Antike und haben lange vor den Römern die erste große Zivilisation Italiens geschaffen: die Etrusker. In einer umfassenden Sonderschau präsentiert das Museum zu Allerheiligen (CH) vom 23. September 2017 bis 4. Februar 2018 das faszinierende Volk in seiner ganzen Vielfalt.

Henkelattasche mit Darstellung eines Haruspex, 5. Jh. v.Chr., Bronze, Dänisches Nationalmusem Kopenhagen. Die Etrusker galten bei den antiken Schriftstellern als sehr religiöses Volk. Besonders bekannt waren sie für ihre Weissagungspraktiken. Auf der Attasche ist ein Priester bei der Leberschau dargestellt. © The National Museum of Denmark, Photo: John Lee.

Henkelattasche mit Darstellung eines Haruspex, 5. Jh. v.Chr., Bronze, Dänisches Nationalmusem Kopenhagen. Die Etrusker galten bei den antiken Schriftstellern als sehr religiöses Volk. Besonders bekannt waren sie für ihre Weissagungspraktiken. Auf der Attasche ist ein Priester bei der Leberschau dargestellt. © The National Museum of Denmark, Photo: John Lee.

Rom war eine noch unbedeutende Siedlung, als die Etrusker im 6. und 5. Jh. v. Chr. in der Blüte ihrer kulturellen Entfaltung standen. Dank üppigen Metallvorkommen, einer blühenden Landwirtschaft und florierendem wirtschaftlichem und kulturellem Austausch mit anderen Mittelmeerkulturen entwickelten sich die Etrusker zu einem der wichtigsten Völker der Antike. Ihr Stammland umfasste die heutigen Provinzen Toskana, Umbrien und nördliches Latium.

Balsamarium in Form eines Frauenkopfes, 3. Jh. v.Chr., Bronze, Museum zu Allerheiligen Schaffhausen, Sammlung Ebnöther. Solche Gefäße werden traditionell als Behälter für Öle und Düfte interpretiert und gehören somit in die weibliche Sphäre. Daher liegt die Deutung des Frauenkopfes als Liebesgöttin Turan (griech. Aphrodite) nahe.

Balsamarium in Form eines Frauenkopfes, 3. Jh. v.Chr., Bronze, Museum zu Allerheiligen Schaffhausen, Sammlung Ebnöther. Solche Gefäße werden traditionell als Behälter für Öle und Düfte interpretiert und gehören somit in die weibliche Sphäre. Daher liegt die Deutung des Frauenkopfes als Liebesgöttin Turan (griech. Aphrodite) nahe.

Ein Panorama der etruskischen Kultur und Lebenswelt

Die Ausstellung entfaltet auf rund 750 qm Ausstellungsfläche ein Panorama der etruskischen Kultur und Lebenswelt. Schmuck, Vasen, Skulpturen und kunstvoll gearbeitete Gebrauchsgegenstände erzählen von weitläufigen Handelsbeziehungen und einer ausgeprägten Festkultur, aber auch von Wahrsagekunst, Totenkult und Ahnenverehrung. Die rund 250 Exponate stammen mehrheitlich aus der museumseigenen Sammlung, die knapp 40 ausgesuchten Leihgaben reisen aus dänischen, deutschen und Schweizer Museen nach Schaffhausen. Verschiedene Medienstationen vertiefen die Informationen zu den sorgfältig inszenierten Exponaten.

Aschenurne, 3. Jh. v. Chr., Ton, Collection des Musées d’art et d'histoire de la Ville de Genève, Inv. Nr. 018280. Die Deckelfigur zeigt die verstorbene Larthi Carnei Athl. Wir sehen sie in liegender Position, den linken Arm auf ein Kissen gestützt und in der Rechten einen Fächer haltend. © Collection des Musées d'art et d'histoire de la Ville de Genève, Foto: Bettina Jacot Descombe.

Aschenurne, 3. Jh. v. Chr., Ton, Collection des Musées d’art et d'histoire de la Ville de Genève, Inv. Nr. 018280. Die Deckelfigur zeigt die verstorbene Larthi Carnei Athl. Wir sehen sie in liegender Position, den linken Arm auf ein Kissen gestützt und in der Rechten einen Fächer haltend. © Collection des Musées d'art et d'histoire de la Ville de Genève, Foto: Bettina Jacot Descombe.

Beim Eintritt in die Ausstellung wirft die Marmorbüste des ersten römischen Kaisers Augustus seinen Schatten symbolisch voraus. Sie versinnbildlicht das Aufgehen der etruskischen Kultur im römischen Reich: Im Jahr 27 v. Chr. wird Etrurien offiziell in die römische Verwaltung eingegliedert und die Etrusker, Begründer der ersten Hochkultur Italiens, verschwinden im Dunkel der Geschichte.

Aufsatz eines Kandelabers zweites Viertel 4. Jh. v.Chr., Bronze, Museum zu Allerheiligen Schaffhausen, Sammlung Ebnöther. Dieses Meisterwerk der etruskischen Metallurgie gehört zu einem Kerzenhalter und zeigt einen Pferdebändiger. Wahrscheinlich handelt es sich um einen der beiden Dioskuren, Kastor oder Polydeukes. Foto: Ivan Ivic.

Aufsatz eines Kandelabers zweites Viertel 4. Jh. v.Chr., Bronze, Museum zu Allerheiligen Schaffhausen, Sammlung Ebnöther. Dieses Meisterwerk der etruskischen Metallurgie gehört zu einem Kerzenhalter und zeigt einen Pferdebändiger. Wahrscheinlich handelt es sich um einen der beiden Dioskuren, Kastor oder Polydeukes. Foto: Ivan Ivic.

Hochkarätige Preziosen, aber auch zahlreiche schlichte, bisher nie ausgestellte Alltagsobjekte – etwa verzierte Garnspulen aus Ton – lassen die Besucher in die Welt der Etrusker eintauchen. Dort begegnen sie zahlreichen Meisterwerken der etruskischen Metallbearbeitung wie zum Beispiel einem achtteiligen Kerzenhalter mit Aufsatz in Form eines Pferdebändigers …

Griff einer Ciste, Praeneste, 4. Jh. v. Chr., Bronze, Ny Carlsberg Glyptotek, Kopenhagen. Cisten waren kostbare Behälter für Toilettenartikel. Dieser Griff ist in Form eines Satyrn und einer nackten Frau gestaltet. Strigilis und Salbfläschchen in ihrer Linken zeigen, dass es sich um eine Athletin handelt. © Ny Carlsberg Glyptotek Kopenhagen.

Griff einer Ciste, Praeneste, 4. Jh. v. Chr., Bronze, Ny Carlsberg Glyptotek, Kopenhagen. Cisten waren kostbare Behälter für Toilettenartikel. Dieser Griff ist in Form eines Satyrn und einer nackten Frau gestaltet. Strigilis und Salbfläschchen in ihrer Linken zeigen, dass es sich um eine Athletin handelt. © Ny Carlsberg Glyptotek Kopenhagen.

... oder dem Griff eines kostbaren Behälters, der in Form eines Satyrn und einer nackten Frau gestaltet ist. Dass die Etrusker zu den begnadetsten Goldschmieden der Antike zählten, beweisen nebst vielen anderen Kostbarkeiten eine goldene Fibel mit Glasbügel oder ein in aufwändiger Granulations-Technik gefertigtes Ohrringpaar. 

Der Schaffhauser „Etruskologe“ und Maler Heinrich Wüscher (1855-1932).

Der Schaffhauser „Etruskologe“ und Maler Heinrich Wüscher (1855-1932).

Ein vergessener Schaffhauser Etruskologe

Aus Kopenhagen nach Schaffhausen reist ein Faksimile einer weltberühmten tarquinischen Grabmalerei. Es entstand 1895 und stammt aus der Hand des vergessenen Schaffhauser Künstlers Enrico Wüscher-Becchi (1855-1932), der es innerhalb eines etruskologischen Grabmalerei-Projekts im Auftrag des dänischen Kunstsammlers Carl Jabosen anfertige. Es gehört heute zum Bestand der Ny Carlsberg Glyptotek Kopenhagen. 

Enrico Wüscher-Becchi, Faksimile der Wandmalerei in der Tomba dei vasi dipinti Tarquinia, 1895, (Originalmalerei um 500 v.Chr.), Ny Carlsberg Glyptotek, Kopenhagen, Fotograf Ole Haupt. Die dargestellte Szene zeigt das in der etruskischen Grabmalerei beliebte Thema des Trinkgelages (Symposion).

Enrico Wüscher-Becchi, Faksimile der Wandmalerei in der Tomba dei vasi dipinti Tarquinia, 1895, (Originalmalerei um 500 v.Chr.), Ny Carlsberg Glyptotek, Kopenhagen, Fotograf Ole Haupt. Die dargestellte Szene zeigt das in der etruskischen Grabmalerei beliebte Thema des Trinkgelages (Symposion).

Das Faksimile führt den Besucherinnen und Besuchern nicht nur eindrücklich die Dimensionen der etruskischen Grabmalereien vor Augen. Es ist gleichzeitig auch eine Reverenz an den Schaffhauser Maler, der mit dem Museum zu Allerheiligen auf besondere Weise verbunden ist: Er war es, der in den 1920er Jahren die Umgestaltung des damals baufälligen Klosters in ein Museum anregte.

Antefix in Form eines männlichen Kopfes, 5. Jh. v.Chr. Ton, Museum zu Allerheiligen Schaffhausen, Sammlung Ebnöther. Dieser Stirnziegel schmückte einst sehr wahrscheinlich die Dachtraufe eines etruskischen Heiligtums. Der Bärtige kann als Satyr oder als Flussgott Acheloos gedeutet werden. Foto: Ivan Ivic.

Antefix in Form eines männlichen Kopfes, 5. Jh. v.Chr. Ton, Museum zu Allerheiligen Schaffhausen, Sammlung Ebnöther. Dieser Stirnziegel schmückte einst sehr wahrscheinlich die Dachtraufe eines etruskischen Heiligtums. Der Bärtige kann als Satyr oder als Flussgott Acheloos gedeutet werden. Foto: Ivan Ivic.

Der Ausstellung kommt noch eine zusätzliche Bedeutung zu: Erstmals seit 60 Jahren wird in einem Schweizer Museum wieder ein umfassender Einblick in die Kultur der Etrusker geboten. Die letzte große Ausstellung zu den Etruskern fand 1955 im Kunsthaus Zürich statt. 

Katalog

Im Verlag Philipp von Zabern erscheint ein Sammlungskatalog mit sämtlichen 235 etruskischen Objekten der Sammlung Ebnöther. Viele davon werden hier zum ersten Mal publiziert und wissenschaftlich aufgearbeitet.

Körbchenohrringe zweite Hälfte 6. Jh. v.Chr., Gold, Museum zu Allerheiligen Schaffhausen, Sammlung Ebnöther. Die Etrusker gehörten zu den begnadetsten Goldschmieden der gesamten Antike. Bei diesem Ohrringpaar sind verschiedene hoch komplexe Techniken angewendet worden. Foto: Ivan Ivic.

Körbchenohrringe zweite Hälfte 6. Jh. v.Chr., Gold, Museum zu Allerheiligen Schaffhausen, Sammlung Ebnöther. Die Etrusker gehörten zu den begnadetsten Goldschmieden der gesamten Antike. Bei diesem Ohrringpaar sind verschiedene hoch komplexe Techniken angewendet worden. Foto: Ivan Ivic.

Die Sammlung Ebnöther und die Etrusker

Mit der Sammlung Ebnöther besitzt das Museum zu Allerheiligen Schaffhausen eine Antikensammlung von internationaler Bedeutung. Über 6.000 Objekte aus zahlreichen antiken Kulturen hat der leidenschaftliche Sammler Dr. Marcel Ebnöther (1920-2008) während gut zweier Jahrzehnte zusammengetragen. 1991 schenkte er seine Sammlung der Stadt Schaffhausen. Seither bildet sie ein Highlight unter den breit gefächerten Beständen des Museums zu Allerheiligen.

Ciste, Praeneste, 3.-2. Jh. v. Chr., Bronze, Dänisches Nationalmusem Kopenhagen. Solche Cisten gehören zu den Meisterwerken der antiken Metallurgie und stammen aus dem latinischen Praeneste. Gerade diese Behälter für Toilettenartikel zeugen von einer sehr engen Verbindung mit dem etruskischen Kunstschaffen. Der Henkel zeigt den Ringkampf zwischen Atalante und Peleus. © The National Museum of Denmark, Photo: Nora Petersen.

Ciste, Praeneste, 3.-2. Jh. v. Chr., Bronze, Dänisches Nationalmusem Kopenhagen. Solche Cisten gehören zu den Meisterwerken der antiken Metallurgie und stammen aus dem latinischen Praeneste. Gerade diese Behälter für Toilettenartikel zeugen von einer sehr engen Verbindung mit dem etruskischen Kunstschaffen. Der Henkel zeigt den Ringkampf zwischen Atalante und Peleus. © The National Museum of Denmark, Photo: Nora Petersen.

235 Objekte aus der Sammlung Ebnöther entstammen der etruskischen Kultur. Im Vergleich mit den Kollektionen italienischer Museen ist diese Objektgruppe zwar weniger umfangreich, genießt in Fachkreisen aufgrund ihrer feinen Qualität jedoch großen Respekt. Dank der klugen Auswahl Ebnöthers bildet die Schaffhauser Sammlung eine ideale Basis für unsere Sonderausstellung, zeigt sie doch die gesamte Bandbreite des herausragenden etruskischen Kunsthandwerks. Nahezu alle Techniken und Materialien sind vertreten – vom schlichten tönernen Alltagsutensil bis hin zur kostbaren Preziose, die verschiedenste raffinierte Goldschmiedetechniken kombiniert.

Sanguisugafibel mit Glasbügel, Ende 8.-6. Jh. v. Chr., Gold und Glas, Museum zu Allerheiligen Schaffhausen, Sammlung Ebnöther. Die äußerst raffinierte Goldschmiedearbeit von Nadelhalter und Manschetten ist mit einem Bügel aus mehrfarbigem Glas kombiniert, was diese Gewandschließe zu einer wahren Preziose macht.

Sanguisugafibel mit Glasbügel, Ende 8.-6. Jh. v. Chr., Gold und Glas, Museum zu Allerheiligen Schaffhausen, Sammlung Ebnöther. Die äußerst raffinierte Goldschmiedearbeit von Nadelhalter und Manschetten ist mit einem Bügel aus mehrfarbigem Glas kombiniert, was diese Gewandschließe zu einer wahren Preziose macht.

Ebnöther selbst begegnete der etruskischen Kultur erstmals anlässlich der bedeutenden Ausstellung Leben und Kunst der Etrusker im Kunsthaus Zürich 1955. Diese Begegnung markierte den Beginn einer lebenslangen Faszination für eine Kultur, die bis heute einer breiten Öffentlichkeit nur wenig bekannt ist. 

Das gesamte Begleitprogramm und weitere Informationen zur Ausstellung finden Sie auf der Webseite des Museums zu Allerheiligen Schaffhausen.

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