Der Duft des Geldes

von Annika Backe

14. September 2017 – L’eau de cash, so könnte man die Kreation des bekannten Parfumeurs Roja Dove nennen, die am 30. Juni 2017 exklusiv unter den Hammer kam. Die englische Tageszeitung The Sunday Times hatte ihn gebeten, den Geruch einer Banknote in einen kleinen Flakon zu bannen. 


Der englische Parfumeur Roja Dove. Foto: Financial Times / Wikimedia Commmons / CC BY 2.0

Der englische Parfumeur Roja Dove. Foto: Financial Times / Wikimedia Commmons / CC BY 2.0

Anlass war die Einführung der neuen 10-Pfund-Note, die ab September 2017 in Umlauf gehen soll. Wie der seit September 2016 gebräuchliche 5-Pfund-Schein besteht der neue Zehner, den die Bank of England offiziell am 19. Juli 2017 präsentierte, aus einem Kunststoffgemisch. Damit soll die Haltbarkeit verlängert und das Fälschen erschwert werden. Doch auch in olfaktorischer Hinsicht hat dieser Schritt Konsequenzen. So nimmt das Polymer weniger stark Fremdgerüche an als die alten Scheine aus Papier. 

Für Roja Dove ist das ein Verlust, besonders von Erinnerungen an die Vergangenheit. Jeder kenne das Gefühl, durch einen Geruch unerwartet an einen Ort oder in eine bestimmte Situation zurückversetzt zu werden. 

Wonach riecht eigentlich ein Geldschein?

Der 1957 in Sussex geborene Dove, der vor der Gründung von „Roja Parfums“ 20 Jahre bei Guerlain in Paris gearbeitet hatte, wollte nicht weniger als den Duft des Menschseins einfangen. Konkret führt er aus: „Ich dachte an einen Schein am Ende seiner Existenz. Man hat mit ihm in der U-Bahn oder auf dem Parkplatz bezahlt, man hatte Schlüssel und Münzen in der Hand und hat dann ein Schinkenbrot gegessen. Die 10-Pfund-Note, mit der man bezahlt hat, geht dann vielleicht an eine Dame, die zuvor eine furchtbar teure Handcreme aufgetragen hat.“ Dies alles wollte Dove einfangen in seinem Duft. Dazu das Leder der Geldbörsen, den holzigen Ton des Papiers und die chemische Note der Druckfarbe.

Ein beeindruckender Preis für die Essenz des Geldes

Produziert hat der Meisterparfumeur nur ein einziges Fläschchen mit 100 ml Inhalt. Den Duft der 10-Pfund-Note ließ sich in einer Auktion der Sunday Times der glückliche neue Besitzer am Ende 1.625 Pfund kosten. Zugute kam der Erlös dem Albert Kennedy Trust. Diese Organisation hilft jungen Menschen zwischen 16 und 25 Jahren, die nach ihrem Outing als homo-, bisexuell oder transgender unter Ausgrenzung und Gewalt zu leiden haben.

Zur Homepage von Roja Parfums kommen Sie hier.

Roja Dove hat natürlich seinen eigenen Eintrag in der englischen Wikipedia. 

Mehr über die Auktion erfahren Sie hier.

Zur Webseite des Albert Kennedy Trust gelangen Sie hier.

Und mehr über den Versuch eines ehemaligen Microsoft-Managers, mit dem Duft frisch gedruckter Dollarscheine die Produktivität der Angestellten zu steigern, lesen Sie hier. 

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